Flugzeugbauer vor harter Landung

Nach Ansicht von Branchenvertretern wird es Jahre dauern, bis sich die Lage in der Luft- und Raumfahrtindustrie wieder normalisiert. Das trifft auch die Zulieferer. Bei den Herstellern von Komponenten gilt Baden-Württemberg als Hochburg. Die fetten Jahre sind vorbei. „Die Coronakrise stellt die größte Zäsur in der Luft- und Raumfahrtindustrie in den letzten Jahrzehnten dar“, sagt Volker Thum. Thum ist Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, kurz BDLI, und meint, noch im vergangenen Jahr habe seine Branche „eine große Erfolgsgeschichte“ geschrieben. Jetzt aber muss Airbus sparen, Lufthansa verkündet das Aus für ihre Tochtergesellschaft Germanwings und die polnische Airline Lot hat plötzlich kein Interesse mehr am Ferienflieger Condor. Ein „Wachstums-, Innovations- und Jobmotor“ sei die Luft-und Raumfahrtindustrie noch bis vor wenigen Monaten gewesen, sagt der BDLI-Geschäftsführer – mit rund 100 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 40 Milliarden Euro. „Es wird mehrere Jahre dauern, bis wir zu einer gewissen Normalität zurückkehren“, meint nicht nur Thum. Rolf-Jürgen Ahlers, der Vorsitzende des Forums Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg, rechnet damit, „dass wir noch ziemlich lange Zeit mit den Auswirkungen der Coronakrise leben müssen“. Noch im Dezember 2019 hatte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bis 2040 eine Steigerung der Passagierzahlen im weltweiten Luftverkehr auf 9,4 Milliarden Euro prognostiziert – gegenüber vier Milliarden im zum Vergleich herangezogenen Jahr 2016. Niemand kann vorhersagen, wie schnell sich der Luft-Tourismus wieder erholen könnte – doch von Geschäftsreisen dürften keine größeren Impulse ausgehen: „Viele Menschen haben sich jetzt auch an Videokonferenzen gewöhnt“, so die Erfahrung von Ahlers. „Es stimmt uns hoffnungsvoll, dass die Politik den Ernst der Lage erkannt hat und auch die kleinen Mittelständler unterstützt“, kommentiert er die Hilfsprogramme von Bund und Land. Quelle: ‘Stuttgarter Zeitung‘.

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