Flug durch die Hölle

Vor 75 Jahren brach am Calanda oberhalb von Felsberg der mutmasslich grösste Waldbrand in der Schweizer Geschichte aus. Rund 477 Hektaren Wald fielen dem Feuer zum Opfer. Weniger bekannt dürfte sein, dass der Waldbrand einer einzigen Person von unmittelbarem Nutzen war. Am Calanda standen gewaltige Rauchmassen, die langsam schleichend, unheimlich still, fast senkrecht zum Himmel strichen. Ein grosses Gebiet des Berghangs brannte lichterloh. Fritz Glur näherte sich dem Hang und spürte eine Luftströmung, die nach oben gegen den Brandherd strich. Er drehte in das Aufwindgebiet ein und konnte seine Höhe von nur noch 190 Metern über der Talsohle halten. In dichten Achterschleifen vor dem Feuer stieg die Spalinger S 22 mit rund 50 Zentimetern pro Sekunde. Bald waren 80 Meter an Höhe gewonnen. Die Steiggeschwindigkeit nahm zu, und Glur wagte sich immer näher zum lodernden Riesenfeuerherd. Sobald er freien Raum hatte, legte er sein Segelflugzeug in steile 360-Grad-Kurven. Dabei durchflog er den Kern des Aufwindschlauchs. Glur schrieb: «Ich erhielt so kräftige Böen, wie ich solche noch nie zuvor in meiner Segelflugpraxis erlebt hatte. Meine Maschine wurde beinahe auseinandergerüttelt, dafür aber zeigte mein Variometer eine Steiggeschwindigkeit von 4 m/Sek!». Der Rauch wurde so dicht, dass Glur zur Sauerstoffmaske greifen und nach den Blindfluginstrumenten fliegen musste. Wenn er etwas näher an den Hang kam, erschien der Rauch in rötlicher Farbe, denn unter ihm loderten die infernalischen Flammen bis zu 50 Metern hoch. Glur schrieb weiter: «Es war ziemlich ungemütlich in diesem tobenden Höllenstrom, und so war meine Freude entsprechend gross, wie ich oben aus der Rauchmasse herauskam und konstatierte, dass ich 1000 Meter Höhe gewonnen hatte. Noch einmal kreiste ich vor dem brennenden Calanda und dachte dabei, dass ich wohl der Einzige war, dem dieser Brand etwas genützt hatte.» Mit der gewonnenen Höhe glitt Fritz Glur nördlich an Chur vorbei ins Gebiet des Hochwang, wo er wieder Anschluss an die Thermik fand und zurück nach Samedan fliegen konnte. Quelle: ‘NZZ‘.

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