Wenn man erst kurz vor Weihnachten über einen 1000 km Flug von Anfang Mai schreibt, einfach, weil es so viele andere Flugerlebnisse gab, über die zuerst berichtet werden musste, dann war es wohl eine tolle Saison. War es! Toll war aber auch der 9.5.2025. DER Tag des Jahres, wenn nicht der Dekade :-). 45 Tausender sind an diesem Freitag in Deutschland geflogen worden. Dazu Flüge aus der Slowakei bis ins Rheinland – Wahnsinn! Christoph und ich auf unserem Nimbus 2000, sorry: Nimbus 4D, mittendrin. Nach Anlegen diverser Filter (reiner Segelflieger, Windenstart) sogar auf Platz 1 der Wertung :-). Und in meinem Verein hatte ich völlig unabhängig vom Flug im Nimbus meinen Ruf als Wettergott gefestigt. Ganz ohne eigenes Zutun eigentlich. Alles, was es dafür braucht, ist ein Abo bei TopMeteo, Vertrauen in die Vorhersage und ein regelmäßiger Blick in ebendiese. So hatte ich mit drei Tagen Vorlauf diesen Tag des Jahres als solchen angekündigt und alle aufgefordert, Urlaub zu nehmen. An diesem Tag, unbedingt!

Kaum hatte ich den Aufruf gestartet, klingelte das Telefon. Christoph dran. Ob ich nicht Lust hätte, mit ihm im Nimbus zu fliegen, statt alleine in meiner JS1. Lust hatte ich! Ich liebe es, doppelsitzig zu fliegen! – Allerdings muss ich zugeben, dass ich es auch liebe, in entscheidenden Situationen selbst die Hand am Knüppel zu haben :-). Was „entscheidende Situationen“ sind, dazu später; vielleicht nicht das, was die meisten sich darunter vorstellen.
Noch etwas dämpfte meine Begeisterung ein wenig: mir tut es weh, an so einem Tag meine eigene VX im Anhänger zu wissen. Sie leidet dann bestimmt sehr! Aber auch dieses Problem löste sich in Luft auf, gelang es mir doch tatsächlich, meinen Schwiegervater zu motivieren. Er würde die JS1 bewegen.

Und so begann ich, fleißig Strecken zu planen. Im Sechs-Stunden Rhythmus immer neue Strecken! Warum alle sechs Stunden? Ganz einfach: Dann gibt es einen neuen Modelllauf und damit eine aktualisierte Wettervorhersage. 6 Uhr, 12 Uhr, 18 Uhr. Mitternacht habe ich ausgelassen :-). Christoph war von jeder Variante begeistert. Schließlich ging es ins Erzgebirge, Großrückerswalde Ziel-Rück.
Starker Wind war nicht angesagt, aber über die Jahre hat sich diese Streckenform einfach zu meinem Favoriten entwickelt: Gegen, oder im Zweifel auch mit dem Wind, so weit die Flügel tragen und dann wieder nach Hause.
Was gibt es Schöneres? Dachte auch Christoph. Einen kleinen Sonderwunsch äußerte er allerdings: einen Punkt im Ausland, in Tschechien sollten wir schon setzen. Kein Problem!
So trafen wir uns um 8 Uhr morgens am Platz. Christoph war sogar schon früher da und hatte bereits alles zum Aufbauen vorbereitet. Für 10 Uhr hatten wir den Start vorgesehen. Wer große Strecken fliegen will, muss früh aufstehen. Nichts ist ärgerlicher, als an so einem Tag zu spät dran zu sein und hektisch den Flieger zusammen zu stecken, während am Himmel bereits die Cumuluswolken locken.
In diese Falle tappten wir nicht und standen bereits deutlich vor 10 Uhr einsam am Windenstart. Einsam? Am Windenstart? Nun ja… 2025 mussten wir ohne „richtige“ Schleppmaschine überleben. Die FK9 als schwachbrüstiges UL schleppte nur 15m Flieger. Diese und etliche Eigenstarter reihten sich in langer Schlange am anderen Flugplatz-Ende auf. Und wir standen einsam am Windenstart.
Die Kirchturmuhr schlug 10 und kein Lüftchen rührte sich, kein Wolkenfetzen zeigte sich am azurblauen Himmel. Warten oder Starten? Wir entschieden uns für letzteres, immer noch blind dem Wetterbericht und dem darin hinterlegten Thermikbeginn 10 Uhr vertrauend. Also einklinken und los!
Wunderbarer Schlepp gegen den Wind auf fast 400 m Höhe. Nachklinken und Kehrtkurve hinter die Waldkante. Wo, wenn nicht hier sollte die erste Thermik des Tages auslösen? Eindrehen, ruhige, runde 2 m/s Steigen! Wir bekamen das Grinsen schon in diesem Moment kaum mehr aus dem Gesicht. Was für ein Start! Schmunzelnd beobachtete ich von meinem hinteren Logensitz aus, wie am gegenüberliegenden Platzende hektische Betriebsamkeit ausbrach. Offensichtlich hatten die Herren (Damen waren leider nicht dabei) am Eigen- und F-Schleppstart zunächst in aller Seelenruhe beobachtet, was wir da so trieben – in toter Luft um 10 Uhr morgens am Windenstart :-). Und so waren wir längst aus 1’400 m Höhe abgeflogen, bevor der erste Eigenstarter sich in den Himmel erhob.

Wie das Nimbus 4-Team den „besten Tag des Jahres“ weiter erlebt, finden Sie hier übermorgen Früh an gleicher Stelle und zur gleichen Zeit.
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